Erläuterungen.
Die sichtbare Oberfläche unseres Nebenplaneten in einer naturgetreuen, leicht und allgemein verständlichen, und zugleich bequem übersichtlichen Darstellung zu geben, ist der Zweck die- ser Karte, die ich aus den Originalzeichnungen zu einer grössern Mondkarte selbst redigirt und gezeichnet, nach einzelnen Verbesserungen, welche durch spätere Beobachtungen erhalten worden sind, so viel der Maasstab es gestattet, darauf angebracht habe. – Wir unterscheiden am Monde direct nichts weiter, als Unterschiede des Niveaus und des Lichtglanzes, also Mondberge und Mondflächen. Erstere zeigen sich am besten bei zu- und abnehmendem Monde, wenn die zu beobachtende Gegend der Lichtgrenze nahe liegt, letztere am vollstän- digsten im Vollmonde, beide aber muss man um sie recht darzustellen, in allen Lagen wiederholt beobachten und zeichnen. Die Berge erscheinen auf dem Monde meistens als Ringe od. Wälle, die nach innen oft sehr steil und tief abstürzen, und eine basaltartige Vertiefung (Krater) einschliessen. Viele dieser Ringgebirge sind nach dem Namen von berühmten Gelehr- ten bezeichnet, die hier am Rande so wie jedes der vier Quadranten verzeichnet sind. Ausser derselben hat die Tiefe, in der die Fläche vom Walle nach innen, nach unserm eignen Maasstabe in Par. Fuss angegeben, einen axialen Vulkan daneben, wo bezeichnet, der nie über die äussere Umgebung. – Doch zeigen sich auch wirkliche Bergketten wie auf unserm Erde, die nur durch Namen erläutert und auf der Karte selbst angegeben sind. – Die meisten der kleineren Vertiefungen kommen, ihrer geringen Grösse wegen, nicht auf durch Bergstriche angedeutet werden, etwa ihrer Kreise angezeigt werden, so wie für die strahlen Fliuren (Rillen) die sich in verschie- nen Gegenden der Mondfläche zeigen, enge Parallellinien. Flache Landstrecken oder sogenannte Beyraden sind gleichfalls sehr häufig, meist minder einzelne Gipfel, unter denen sich namentlich die Centralberge im Innern der Ringgebirge auszeichnen.
Die Mondfarbe könnte hier nur in ihren allgemeinen Umrissen angedeutet werden, da sie nur in einer gesonderten Darstellung vollständig und naturgetreu gegeben werden könnte.
Man kann wenigstens zehn verschiedene Abstufungen vom Dunkelgrau bis zum lühenenden Weiss aufstellen. Gewöhnlich ist der Berg das Hellere, und die Niederung das Dunkle, oft
aber zeigt es sich auch umgekehrt, und namentlich gehören die hellern Flecke auf dem Monde fast nie den höhern Bergen an, sondern reize Tiefen, selbst heil glänzen. Die gro-
sseren grauen Flecke sind schon dem blossem Auge sichtbar und früher herkömmlich Meere genannt worden, obgleich sie keine Wasserbecken, vielmehr einen trockenliegenden,
wüsten Boden zeigen. Die von sichtbaren Halbigkeit ist übrigens so dargestellt, wie sie in mittleren Lage des Mondes (der sogenannten mittleren Libririon im astro-
nomischen Fernrohr vor uns haben. Nur die Mittellandshafen erscheinen also hier in etwas nördlicherer wirklichem Verhältniss; näher den Ländern zu werden z. B. alle Kreise läng-
tich gefunden. Für den Abdruck im terrestrischen Fernrohr oder mit freiem Auge müssen also das Blatt umkehren müssen.
Das Gradnetz ist nach demselben Grundsatze wie bei einer Erdkarte entworfen. Vom adäquaten nach beiden Polen hin zählen 90 Breiten, und vom mittlern Meridian nach bei-
den Seiten 90 Längengrade. Jeder Grad des Mondumfangs beträgt 15 Meilen. Der Durchmesser der Mondkugel beträgt 468 Meilen, ihr Umfang 1401 1/2
Meilen, sie ist nach ihrer Oberfläche 1/13 mal, nach ihrem körperlichen Inhalte 1/49 mal kleiner als unsere Erde. Man kann also den Durchmesser des Mondes etwa mit der ten
I nach 5 gegrössten Breite des europäischen Festlandes, den Umfang mit der grössten Länge Amerikas vergleichen.
J. H. Mädler.







